Selbstverteidigung mit Stift, Schlüssel oder Tasche
Von Alex Levitas (freier Journalist) und Eyal Yanilov (KMG-Chefausbilder)
Wie man im Krav Maga Alltagsgegenstände als effektive Hilfsmittel verwendet
Krav Maga hat sich zu Recht den Ruf erworben, weltweit eines der effektivsten Systeme für Verteidigungstaktiken, Kampftechniken und waffenlose Selbstverteidigung zu sein. Nur wenigen Leute außerhalb Israels ist aber bekannt, dass Krav Maga auch einen Waffenteil beinhaltet.
Ursprünglich wurde Krav Maga als militärisches Nahkampf-System entwickelt. Als Krav Maga-Gründer Imi Lichtenfeld seinen Dienst in der israelischen Armee (IDF) nach mehr als 20 Jahren beendete, passte er sein System auch an die Bedürfnisse von Zivilisten an. Dabei lag der Gedanke nahe, den Zivilbürger im Umgang mit dem ihm zur Verfügung stehenden “Waffen” zu unterrichten. So wurden Techniken zur Verwendung verschiedener Alltagsgegenstände wie Schlüssel, Stifte, Regenschirme, Taschen, Stühle usw. entwickelt, woraus später unter der Beteiligung von Imis engstem Schüler Eyal Yanilov ein universelles Selbstverteidigungskonzept wurde. Dieses Konzept kann von jedem, der irgendeine Kampfkunst oder ein Selbstverteidigungs-System erlernt, effektiv angewendet werden. Kernidee dabei ist, dass es nur einige wenige Standardmöglichkeiten gibt, Alltagsgegenstände als Waffe zu verwenden. Im Krav Maga werden die Objekte, die als Alltagsgegenstand waffentauglich sind, in folgende Kategorien eingeteilt:
- "Stockartige Gegenstände", d.h. jedes Objekt, das es ermöglicht, den Gegner aus einer gewissen Distanz zu schlagen oder zu stoßen.
- Solch eine "Waffe" wird dazu verwendet, den Gegner aus sicherer Distanz zu bekämpfen oder seine Angriffe abzublocken, bevor er zu nahe kommt. Die wichtigsten Techniken dafür sind ausholende Schläge aus verschiedenen Distanzen und Winkeln und ein- oder zweihändige Stöße.
- "Schildartige Gegenstände", d.h. alle großen, aber nicht zu massiven Objekte, die einen Aufschlag absorbieren bzw. den Schlag stoppen.
- Mit dem "Schild" kommt man dem Angriff entgegen, um den Gegner mit ausreichend Schwung und in ausreichender Entfernung vom eigenen Körper zu treffen. Da "Schildartige Objekte" nur als passiver Schutz dienen und den Gegner meist nicht schädigen, sollte ihr Einsatz von einem Angriff mit den Beinen (z.B. ein Tritt in den Unterleib oder gegen das Knie des Gegners) oder einer freien Hand begleitet werden.
- "Messerartige Gegenstände", d.h. alle Objekte mit denen man stechen oder schneiden kann. Diese Objekte werden wie ein Messer auf die mittlere
- Distanz eingesetzt, um die verwundbaren Stellen am Körper des Gegners, die nicht durch Kleidung geschützt sind, zu treffen. Dazu zählen Hände, Handgelenke, Gesicht und der Nacken.
- "Steinartige Gegenstände", d.h. alle kleinen, massiven Gegenstände. Objekte dieser Kategorie önnen entweder geworfen werden,
- um den Gegner auf Distanz zu verletzen, oder sie werden als Schlagwerkzeug eingesetzt, um den Angreifer am Kopf oder an einer anderen verwundbaren Körperstelle zu treffen.
- "Kleine Objekte", d.h. alle Gegenstände, mit denen man den Gegner ablenken kann, indem man ihm diese z.B. ins Gesicht wirft,
- ihn damit blendet oder die Augen kurzzeitig außer Gefecht setzt.
- "Flüssigkeiten", d.h. alles was sich gut dazu eignet,
- dem Gegner in die Augen gespritzt oder gesprüht zu werden.
- "Seilartige Gegenstände", d.h. alle Gegenstände, mit denen man peitschen, binden oder würgen kann, wobei die wichtigsten Techniken
- der Peitschenschlag und die Schwünge sind. Das Hauptziel ist dabei nicht den Gegner kampfunfähig zu machen, sondern ihn abzulenken, um einen härteren Angriff oder eine Flucht folgen zu lassen.
Um in der Lage zu sein, Gegenstände aus der Umgebung in einer realen Selbstverteidigungssituation zu nutzen, sollte man sich täglich umsehen und darüber nachdenken, welche Objekte aus der aktuellen Umgebung zu verwenden sind, zu welcher Kategorie sie gehören und wie man sie am besten benutzen könnte. Auch sollte man beim Üben in der Selbstverteidigungsschule oder im Hinterhof mit Freunden verschiedene Gegenstände als Waffe ausprobieren. Richten Sie sich dabei nach folgenden Leitsätzen:
- "Verwende Starkes gegen Schwaches",
- d.h. unsere Waffe sollte "stärker" als die getroffene Körperstelle sein.
- "Man kann eine Waffe aufgeben oder wechseln", d.h. lassen Sie die Waffe fallen, wenn Sie durch sie behindert werden,
- und suchen sich gegebenenfalls später etwas anderes.
- "Verwende nicht nur Waffen, sondern auch Arme und Beine",
- d.h. denken Sie stets auch an Ihre eigenen Körperwaffen, wie die Beine, die Arme und den Kopf.
- "Nutze kurze Bewegungen", d.h. Ihre Schläge sollten kurz und ohne Vorbereitung, also ansatzlos sein.
©
Alex Levitas (freier Journalist) und
Eyal Yanilov (KMG-Chefausbilder) - Übersetzung: Baumeister/Bechmann